Friedrich II. - der Große! - und der Müller von Sanssouci
DAS
ROKOKOKOMPLOTT (2009 - 2011)
Eine preußische Criminal-Comödie.
Unglaubliches geschieht in Sanssouci: Zwischen Schloß und Mühle bricht die königliche Gouvernante in den Armen des Müllers von Sanssouci zusammen und stirbt. Nicht ohne vorher ein geradezu explosives Geheimnis zu verraten: Preußenkönig Friedrich der Große und der Müller von Sanssouci sind als Säuglinge vertauscht worden!
Mühsam nur kann sich der Müller am Riemen reißen, das Geheimnis für sich zu behalten. Als das "Mirakel des Hauses Bandenburg" jedoch ruchbar wird, bricht zwischen König und Müller ein aberwitziger Kampf um die Macht im Staate aus. Begleitet von einer ebenso verwirrenden Geheimdienstkampagne taumeln die beiden Nachbarn einem absurden Finale entgegen, an dem es letztlich keinen Gewinner gibt - und nur eins sicher ist: Soviel Spaß hat Preußen noch nie gemacht!
Es spielen: Friedrich II. - der Große! - André Nicke Müller Grävenitz - Andreas Flügge Kammerherr Fredersdorff - Andreas Schulte
Texte: Andreas Flügge Musik: Andreas Schulte Regie: André Nicke
Agentur und Akteure bedanken sich für die aufopferungsvolle Unterstützung durch das Stadttheater Cöpenick!
Bilder von der letzten Vorstellung im Studio 1 (9., 10. und 11. 12. 2011):


Rathenow, April 2010:










Fotos: Uwe Majonek/Optikpark Rathenow GmbH/Autor/Frank Weigmann
Es stand in "Potsdam-life" 3/2009:
Das Rokokokomplott. Das bestgehütete Geheimnis der preußischen Geschichte - in einer "preußischen Criminal-Comödie".
Das hat uns vorm 300. Geburtstag des großen Preußenkönigs gerade noch gefehlt:
Friedrich II. ist ein Müllerbursche - und eigentlich gehört der Müller von Sanssouci auf den preußischen Königsthron! Beide sind nämlich im zartesten Kindesalter verwechselt worden. Unvorstellbar? Sagen Sie! Wie muß sich erst der Müller fühlen:
"Vatauscht hamse mir! Mein janzet Leben hamse mir abspenstich jemacht! Müller ha'ck werden müssen wie der alte Jrävenitz! Mensch, ick könnte jetz mit Filzlatschen durch'n Marmorsaal tijern, anstatt Mehlsäcke uff de Esel zu binden! Ick könnte mit Voltaire anne Tafelrunde schnabulieren! In janz Europa könnt' ick 'n dicken Max machen! Und der Merkel ma so richtich an't Knie fassen! Ick wär' Könich! - Wat wird de BfA dazu sahren?"
Mit großer Geste bricht der Müller Grävenitz, gespielt von Andreas Flügge, auf der Bühne zusammen. Und spätestens an dieser Stelle darf gelacht werden. "Das Rokokokomplott" ist eine aberwitzige Satire, in der zwar wirklich schon in der ersten Minute gemordet wird, in der die eigentlichen Treffer aber in der Gegenwart landen. Dergleichen ist das Publikum vom Alten Fritz und seinem Müller auch gewöhnt, so liebt es die beiden; schließlich kennt man sich seit 14 Jahren aus dem Radio - bei Hörern von Antenne Brandenburg (rbb) ist die satirische Wiedergängerei einmal pro Woche längst Kult. Und seit sieben Jahren sind König und Müller nebst musikalischer Begleitung live unterwegs. Vor drei Jahren wagten sie den Sprung auf die Theaterbühne: "REX UND HOPP!" feierte üppige Lacherfolge. Merkte man diesem Stück noch die Herkunft vom Kabarett an, läßt "Das Rokokokomplott" die Kleinkunst hinter sich und folgt den Regeln der dramatischen Inszenierung. "Viele wollen jetzt den Alten Fritzen zu seinem 300. Geburtstag 2012 in ein neues Licht rücken", erklärt Autor und rbb-Moderator Andreas Flügge grinsend. "Aber wir können es! Das gehört gewissermaßen auch schon zu unserem langen Anlauf für 2012. Da darf man von uns einiges erwarten, denn ich schätze, das Jubiläum wird wie das Preußen-Jahr allgemein eher in Jubel-Lähmung ausarten - also in einem größtenteils ernsten Begängnis in Tateinheit mit wissenschaftlicher Leichenfledderei. Wir werden wacker dagegenhalten!"
Die Anekdote vom Müller von Sanssouci ist schon oft erzählt und bearbeitet worden; der Potsdamer Andreas Flügge hat sie zu einem grotesken, ewigwährenden Nachbarschaftsstreit umgebogen, zu einer anachronistischen Symbiose. Der Müller als durchschnittlich begabter Zeitgenosse ist des schrulligen Königs bester Feind und dennoch intimster Gesprächspartner. Die soziale Distanz gebiert eine unheimliche Nähe - und ermöglicht völlig neue Zugänge zur Person Friedrichs.
"Das 'Komplott' ist mit sicherem Blick für die Bühne geschrieben", freut sich Regisseur André Nicke. "Da ist alles drin: Von der barocken Anmutung über den historischen Fingerzeig bis zur Gegenwartspointe. Und man kann sehen, was Otto Normalverbraucher anstellt, wenn er plötzlich Macht hat. Alles witzig geschrieben, liebenswürdig gespielt und voller schöner Ideen."
Der servile Kammerherr Fredersdorff ist so eine. Gespielt vom Potsdamer Musiker Andreas Schulte, ist er das willige Werkzeug und der hämisch-kichernde Voice-Recorder des Königs, allzeit bereit, abgelehnte Bittschriften mit dem Papierkorb aufzufangen.
Und dann, die Meta-Ebene: Mühlenmaus und Schloßratte. Agenten zweier konkurrierender Geheimdienste, die im Jargon der Schlapphut-Branche derart aneinander vorbeikonspirieren, daß es eine Freude ist. Was sich leicht schrieb, ist vielleicht die schwierigste Strecke des ganzen Stücks - denn Mühlenmaus und Schloßratte sind zwei Puppen, die gesprochen und bedient werden wollen. Wie nebenbei geben sie die bestgehüteten Geheimnisse der Zunft preis: Kennedy-Mord, Manfred Stolpes Rücktritt, und was steckt eigentlich hinter "Matthias Platzeck und der Speisekammer des Schreckens"? Zum Schluß bleibt alles anders, kein Auge trocken und nur eines sicher: Soviel Spaß hat Preußen noch nie gemacht.André Nicke, Schauspieler, Regisseur, Intendant des "Stadttheater Cöpenick", versucht der Figur des Königs neue Seiten abzugewinnen: "Listiger, raffinierter, man kann auch sagen: etwas böser. Aber er tut ja nichts, er will bloß spielen. Er ist eigentlich ein harmloser Irrer, der in einer eigenen Welt lebt, aus der ihn der Müller permanent aufschreckt."
"Das Rokokokomplott" breitet sich als groteske Verschwörung vor dem Publikum aus: Gleich zu Beginn bricht die königliche Gouvernante in den Armen des Müllers von Sanssouci zusammen und stirbt - allerdings nicht ohne vorher das geradezu explosive Geheimnis von Vertauschen und Vertuschen zu offenbaren. Zagen, Zaudern, Zögern beim Müller ("Ick hab doch janich uff Könich jelernt!"), doch dann lockt ihn die Aussicht, Seiner Majestät die Macht im Staate abzutrotzen, die jener natürlich nicht hergibt. Mit markigen Sprüchen ("Es muß dem Fürsten jede Lust verleiden, wenn sich der Untertan beginnt als Fürst zu kleiden!"), weisen Prognosen ("Ein Volk, das Müll trennt, macht keine Revolution...") und begleitet von einer ebenso verwirrenden Geheimdienstkampagne taumeln die beiden Nachbarn einem absurden Finale entgegen, an dem es letztlich keinen Gewinner gibt. "Klar, wir holen Majestät vom Denkmal," sagt André Nicke, "aber wir bauen auch ein neues - und erst zum Schluß entscheidet das Publikum, wer es haben soll: der König oder der Müller. Mitbestimmung im Theater, wo kriegen Sie sowas heute noch?"