Seit 1995 begegnen sich Friedrich II. - der Große!" - und der Müller von Sanssouci immer dienstags bei Antenne Brandenburg (rbb) und sind mit inzwischen über 700 Folgen eine der längsten Radio-Satiren der Neuzeit.

Fritz und Müller streiten sich nie länger als 2 Minuten - irgendwann zwischen 6 und 10 und zwischen 14 und 17 Uhr. Längeres Radiohören lohnt sich, denn der Auftritt der beiden wirft akustische Schatten voraus.

Wenn Sie die aktuelle Folge im Radio verpaßt haben, dann klicken Sie hier und hören sich das Ganze als Podcast an. Klingt kompliziert, isses aber nicht.

Ähem...                                                               Wollen Sie wissen, wie alles begann?

 

Es geschah am 17. Oktober 1995 um 7.45 Uhr. Die allererste Folge hieß "Von Milliardenlöchern und belgischen Schlüngels" und las sich wie folgt - die akustische Wiedergabe ersparen wir Ihnen, denn im Vergleich zu heute hörten sich König und Müller grotesk an:

Friedrich: Kerl! Müller! Was hält Er Maulaffen feil? Hat Er wenigstens meine Hunde gesehen? 

Müller: Hunde? Im Jejentum, Majestät... Ihr seht mir eher'n bißken verkatert aus... Wieder Krach mit Voltaire jehabt, wat? 

F: Papperlapapp! Leere Sottisen! Ich schick Ihn nach Spandau... Seine Mühle klappert wie eine Abteilung fliehender Österreicher!

Müller: Bedaure, Majestät. der Sack Mehl bringt heuer wenich... Ick hab zwar Mäuse jenuch, aber vonwejen dem Jeld mangelt's jewaltich. Anne Steuern darf ick janich denken.

Friedrich: Ist Er ein braver Steuerzahler, Grävenitz?

Müller: Wat man so brav nennt, Euer Jnaden. Irjendwie muß ja der Waijel sein Fuffzich‑Milliarden‑  Loch wieda zustoppen. Und sehta, deswejen kann sich meine Mühle nich so langsam drehen wie die in Bonn!

Friedrich: Räsonniert Er gegen den Fiskus, Grävenitz? Merk Er sich's: In Zeiten, wo die Kassen leer sind, muß auch Er den Gürtel enger schnallen! So hat sein König Preußen auf Vordermann gebracht...

Müller: Pardon, Sire: Da jab's ja ooch noch keen' Theo Waijel...

Friedrich: Er meint den Schatullverwalter des Kanzlers?

Müller: Jenau, Majestät. Den Studienrat mit de Kohlebürschten anne Oogen.

Friedrich: Ein Studienrat? Es schaut nichts dabei heraus, wenn unadelig Geschmeis die Kasse kontrolliert... Ein Lehrer... Kerls taugen nicht einmal zum Wachestehen... 50 Milliarden, sagt Er? Meritiert in die Karre geschickt zu werden, sein Herr Fiskus!

Müller: So tief, wie die Karre drinstecken tut, nützt et ooch nischt, wenn der Waijel davorjespunnt wird. Det haben schon janz andre Ochsen probiert.

Friedrich: Das sind Possen... Muß rigoureus gespart werden! Soll er nicht länger Wege ausbessern und Flüsse verbreitern!

Müller: Nu is ihm ja ooch schon janz blümerant, dem Waijel... Die Ministerien hat er 'ne Haushaltssperre uffjebrummt...

Friedrich: Die Menage blockiert? Das kann ihm den Kopf kosten! Er soll achtgeben, sonst wird er cassiert!

Müller: Na, Euer Jnaden, deshalb sollen ja de Abjeordneten ooch mit mehr Jeld bei Laune jehalten werden.

Friedrich: Fürwahr, eine applikable Idee! Doch keine so liederliche Canaille, Sein Herr Kassenverweser... Deputierte, die interessiert sein sollen, müssen gut geschmieret werden!

Müller: Aba finden Majestät det nich ooch 'n bißken unverschämt, det sich die sojenannten Volksvertreter de Taschen vollhauen und so'n armer Müller wie ick janich weeß, von wat er die Löcher inne Säcke flicken soll?

Friedrich: Nehm Er zur Kenntnis, Grävenitz: Der Kanzler ist der erste Diener seines Hofstaates...

Müller: Aber wenn doch schon keen Jeld da is, Majestät...

Friedrich: Soll sich ein Exempel an seinem König nehmen, Sein Herr Fiscalicus! Soll er schlechte Taler prägen wie Brandenburg seinerzeit im Kriege...!

Müller: Wenn Euer Jnaden jestatten: Det schaffen die ja schon in Brüssel mit ihr'n Ecu...

Friedrich: Schockschwerenot! Daß ich daran nicht gedacht habe... Ich habe mich seinerzeit mit halb Europa angelegt und bin es leid! Nehm Er sich vor den belgischen Schlingels in acht, Grävenitz! Wenn's pressiert, wird Er Seine Mühle fahren lassen müssen...

Müller: Wat denn, Majestät: Jibt et nu plötzlich ooch keen' Wind mehr?

Friedrich: Das nicht, Grävenitz... Aber zuviele Luftschlösser!